elementary-Team: you rock!

So ganz zufrieden war ich eigentlich nie mit dem Aussehen den aktuellen Desktops der Linuxwelt. Gnome wirkt in der Standardausführung viel zu altbacken und gefühlt aus dem letzten Jahrhundert, KDE sieht dagegen frischer aus, platzt aber aus allen Nähten. Natürlich lässt sich sehr viel mit Themes regeln, gerade die Linuxwelt ist ja berühmt dafür, dass man sich “seinen” Desktop gestalten kann, wie man es gerne hätte.

Dennoch gibt es gewissene Grenzen welche sich allein mit Themes nicht überwinden lassen. Anpassungen an den Programmen wären notwendig.

Schaut man sich mal alleine die Optik an, Funktionen jetzt erstmal außen vor gelassen, dann ist meiner Meinung nach OSX an der Stelle der Platzhirsch. Die GUI ist ein Augenschmauß, alles wirkt sehr aufgeräumt chic. Ich mag das sehr. Apple gibt mit seinem Toolkit den Entwicklern vielfältige Möglichkeiten der Oberflächengestaltung an die Hand und dennoch wirkt alles sehr stimmig und durch (fast) alle Programme hinweg sehr zusammengehörig und homogen.

Das Design von Windows 7 finde ich nicht grundsätzlich schlecht, es fehlt allerdings an einer maßgebenden Linie. Einzelne Elemente sind schön umgesetzt, aber das Gesamtbild kränkelt ein wenig.

Gnome wirkt, wie bereits oben erwähnt, extrem altbacken und langweilig. Es wird unfassbar viel Platz verschwendet, auch wenn dies nur eine optische Täuschung ist (ich komme später nochmal drauf zurück).

KDE hingegen wirkt insgesammt extrem homogen, allerdings in manchen Fällen auch einfach zu sehr. eine Mischung grau in grau mit grau, immer dasselbe Grau versteht sich. Ansonsten finde ich es sehr modern und gut, wenn auch zuweilen ein wenig überladen.

Ich habe schon seit langen in meinem Kopf eine Vorstellung davon, wie der ideale Desktop aussehen könnte, bzw. wie Programme designed werden könnten. Schon lange will ich meine Gedanken mal in Mockups fassen, kam aber bislang nie dazu.

Nun bin ich aber glücklicherweise nicht der einzige der so denkt. Und abgesehen davon, dass die besagten anderen Personen dieselben Vorstellungen haben wie ich, sind sie glücklicherweise auch noch in der Lage ihre Ideen in die Tat umzusetzen! Ich rede vom elementary-Projekt. Als säßen diese Jungs in meinem Kopf und hätten mir meine Vorstellungen geklaut und in die Tat umgesetzt, ich bin begeistert.

Bilder sagen erstmal mehr als tausend Worte, also einfach mal ein Vergleich zwischen dem standard Nautilus (Bild von ubuntuxx.de) in Ubuntu Lucid und dem mmodifizierten Nautilus des elementary Projekts:

Die Version des elementary Projektes wirkt wesentlich moderner, aufgeräumter und geiler. Man möge mir meine Ausdrucksweise entschuldigen, aber das trifft es einfach zu sehr auf den Punkt!

Diese klaren Formen und Linien, die zusammengelegte Adress und Werkzeugleiste, die optische Reduziertheit, einfach wundervoll!

Natürlich ist vieles dabei nur Augenwischerei, wie vorhin schon angedeutet: Die Statusleiste unten ist natürlich in beiden Versionen genau gleich hoch, nur dass sie rein optisch in der elementary Variante wesentlich kleiner aussieht weil sie in das Hauptfenster eingebettet ist. Das gleiche mit dem kleinen Abstand zwischen Seitenleiste und Hauptfenster: auch hier wurde getrickst um es kompakter und gradliniger aussehen zu lassen. Aber es funktioniert und man sieht, wie viel man mit Themes erreichen kann.

Man sieht aber auch gut die Grenzen: Die komplett neue Seitenleiste lässt sich ebensowenig mit Themes realisieren, wie die neue Breadcrumbbar oder die kombinierte Werkzeug- und Adressleiste.

Aber die Jungs machen es genau richtig und beschreiten für meinen Geschmack genau den richtigen Weg! Die Nautliusänderungen sind nur ein Teil des Themes und des Projektes. Zum Beispiel gibt es ein komplettes Iconset inklusive monochromer Icons für das Panel. Mehr dazu im Blog von Christoph mit seinem Beitrag Der elementary-Desktop

Außerdem findet man in jedem Programm kleine Änderungen, die das Gesamtbild stimmiger machen. Zum Beispiel ist die Statusleiste in Gwenview ebenso in den Fensterinhalt integriert wie unter Nautilus.

Der nächste große Wurf des Projektes könnte ein Mailclient werden: Postler

Er folgt derselben Philosophie, die schon Nautilus so gut steht: clean, simple and nice. (Bild von omgubuntu.co.uk)

Sollte der Client wirklich so kommen und dabei die für mich wichtigen Funktionen bereitstellen sowie sich in das Indicator-Applet integrieren, so werde ich mich vom Webinterface von Gmail verabschieden.

Was ich oben ansprach war unter anderem die Platzverschwendung von Gnome. Dazu möchte ich folgenden Artikel verlinken: The Border: Cut them all down – Mockup

Dort hat Dylan einen sehr schönen Mockup des Erscheinungsbild-Dialoges angefertigt und verliert ein paar Worte dazu. Auch dieser Ansatz begeistert mich. Es wirkt sehr viel aufgeräumter:

Aber um nun zum Punkt zu kommen und mein verwirrte Gedanken zu einen vernünfigen Abschluss zu bekommen: Man sieht, dass eine Menge potential in Desktops unter Linux steckt und ich bin sehr gespannt auf den nächsten Schritt des elementary Teams: Elementary OS. Ein auf Ubuntu basierendes OS mit dem elementary-Theme, dem neuen Nautilus und hoffentlich Postler sowie vielen neuen Änderungen, die einem den Desktop ein wenig ansehnlicher machen. Daumen hoch dafür; elementary-Team, you rock!

12. Juli 2010 von Jan
Kategorien: Linux, Planet | 9 Kommentare

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Kommentare (9)

  1. Grundsätzlich ack, das optische Grundkonzept halte auch ich für äußerst stimmig.
    Ich hatte es kurz auf meinem Desktop (Ubuntu 10.04 Gnome; ATI X1600 mit funktionierendem Compiz) ausprobiert; folgende Dinge fielen mir auf:

    - Etwas trägere Oberfläche
    - Relativ wenig Kontrast in der Abgrenzung der Elemente zueinander: zB. in der Titelleiste / Titeltext

    - wirklich traumhaft schöne Icons; ohne Verspieltheit zum Selbstzweck werden zu lassen.

    Beizeiten werde ich gerne nochmal testen!

  2. Wirklich ein elegantes und aufgeräumt wirkendes Theme, das werd ich gleich mal testen :)

  3. Es gibt viel Potenzial da stimme ich dir zu. Jedoch sehe ich die Nautilus Screenshots eher als negatives Beispiel mit Blick auf die Toolbar und die Statusleiste. Die Breadcrumbs sind schön in Elementary, aber die anderen Buttons empfinde ich als überflüssig. Ich nutze den Standard Nautilus mit ausgeblendeter Toolbar, da stellt sich die Frage ob man nicht noch etwas mit dem Kopf der Seitenleiste anstellen und ggf. die Funktionalität beibehalten kann. Bei der Statusleiste steht/stand ja die Frage im Raum ob sie überhaupt noch benötigt wird. Ich bin auch der Meinung eher nicht. Auf dem Screenshot gewinnt man den Eindruck das Elementary eher reaktionär ist und versucht Mac OS X möglichst gut nachzuahmen. Da verbaut man sich eventuell etwas.

    “Never, ever expect your user to resize a window.” Das kannte ich noch nicht, ergibt aber Sinn, wo ich mich dann wieder frage warum OS X dafür einen Knopf an der Stelle hat, wo man sonst das Fenster maximiert. Da könnte man jetzt verschiedene Pro und Kontra Argumente bringen, wer wo was besser macht nach dieser Regel. Abgeleitet davon frage ich mich wofür man den Regler in der Statusleiste benötigt, wenn man davon ausgeht dass man dem Benutzer grundsätzlich die beste Sicht auf den Inhalt zur Verfügung stellt.

    Zu viel OS X mit Altlasten, aber dafür vorbildlich.

  4. Hallo,

    habe gerade mal den Elementary-Desktop getestet und was soll ich sagen?

    Diese Optik und Funktionalität, gepaart mit Schlichtheit, ohne verspielt zu wirken -> einfach genial.

    Wie ist denn jetzt eigentlich der entwicklungstechnische Stand? Ist dieses Theme noch in Entwicklung, oder kann man es schon als stabil betrachten? Grund der Frage ist der, dass ich gerne beim Elementary-Desktop bleiben würde, aber auch nur wenn es bereits einen stabilen Stand erreicht hat. Bei meinen ersten Tests konnte ich keine Probleme oder so feststellen.

    Das einzige was mich noch etwas stört, ist (wie oehi weiten oben schon schrieb) der etwas Kontrastarme Übergang im Panel. Von Trägheit merke ich allerdings nichts, eher im Gegenteil!

    Den Elementary-Nautilus nutze ich schon länger, aber mit dem Elementary-Theme sieht er auch endlich nach was aus.

    Warum steckt Conancial nicht etwas mehr “Power” in ein besseres Theme? Ambiance sieht zwar schon sehr gut aus, aber irgendwie fehl dort immer noch ein bisschen die “Professionalität” -> soll heißen, die Übergange zw. Titelleiste (mit den Schließen, Minimieren, Maximieren – Buttons) und den Programmfenstern passt irgendwie nicht. Elementary wirkt hier hingegen einfach stimmiger und professioneller!

  5. Hm, sieht wie Xubuntu 9.04 aus (oder 9.10?). Klar dem ein oder anderen wirds wohl gefallen.

    Aber dass du das Standard-Ubuntu-Theme als altbacken und langweilig hinstellst und dieses elementary-Desktop dann über den Klee lobst, find ich schon etwas seltsam. Ist halt nen anderes Theme und über Geschmack lässt sich streiten, aber der riesen Unterschied zu anderen Gnome-Themes will mir nicht einleuchten.

  6. Das Problem heutiger Laptops wird auch mit diesem Desktop nicht behoben. Widescreen gepaart mit nicht sehr prickelnden Auflösung. Halt eben das angekündigte Platzproblem.

    Da kann mir persönlich KDE mit dem Bespin-Theme viel mehr helfen, dank der Möglichkeit die Titelleiste auf die Seite zu verschieben.

  7. @oehi Ich kann das träge nicht unterschreiben, macht keinen unterschied ob ich radiance oder elementary benutze…

    @LiveWire hmm.. naja, ich finde die Statusleiste alleine wegen der Anzeige der Dateigrößen total super :) Zum Thema OSX-Nachahmen…. naja, so ganz abstreiten kann man es sicher nicht…. Aber hey, in meinen Augen ist OSX momentan auf Platz 1, warum also nicht dem ersten den rang ablaufen?

    Zum Thema “immer die beste Sicht”: sicherlich ein guter Ansatz, aber irgendwie ist er bei OSX meiner Meinung nach auch nicht komplett perfekt. manchmal will ich einfach “mehr” sehen… Aber es geht immerhin in die richtige Richtung!

    @seaman stable, naja, gute Frage… es ist halt in erster Linie “nur” ein Theme, sollte also stable sein. Zur Frage, warum canonical da nicht mehr power reinsteckt, kann ich nur sagen: Ich versteh es nicht. sicher, das neue Gesamttheme von Lucid ist komplett neu, aber hey, so richtig was anderes ist es auch nicht. Ein paar neue Farben hier und ein paar neue Farben da. Es unterliegt halt den im Artike beschriebenen Grenzen. Es langtr halt nicht, NUR ein Theme zu erstellen…

    @stfishr naja, wen man sich den Nautilus anschaut, ist es eben nicht nur ein Theme. Es wurden auch Änderungen an der Programm-GUI getätigt, und gerade DIE machen den Untersheid. Und trotzdem finde ich das Theme wesntlich schlichter und gradliniger als das Standardtheme… Ja, bestimmt auch ein wenig Geschmackssache! ;)

    @morgulbrut Was genau meinst du? Hast du mal ein Beispiel mit der Titelleiste?

  8. Da mag aber einer den elementary-desktop sehr. :-)

    Mir gefällt er nicht, ich bin bei KDE hängen geblieben. Ich für meinen Teil bin mit Oxygen/QtCurve sehr zufrieden. Auch finde ich nicht, dass er überladen wirkt. Es ist in meinen Augen immer alles eine Frage der Einstellungen.

    Als kleine Randnotiz: Ich würde GUI als sächlich ansehen. Als das grafische Interface zwischen Programm und Nutzer.

  9. Pingback: Rhythmbox & Evolution – The elementary-way | virtualpixel.de

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