Der erste Eindruck zählt…

So ziemlich alle aktuellen Distributionen die so durch die Gegend laufen, funktionieren auf meinen Laptop Out-Of-The-Box. Meine täglichen Arbeiten kann ich auf allen erledigen. Vom technischen Unterbau sind sie auch alle recht identisch.  Bleibt also die Frage: Wonach suche ich dann meine Distribution aus?

Klar, man schaut auf die Community und die Wikis und Foren. Die sind bei den Mainstream-Distributionen meist aber alle sehr gut, bzw. von einer auf die andere Distribution übertragbar. Ein weiteres Kriterium wäre die Gnome bzw. KDE Integration. Ist aber auch selten ein Problem, die meisten Distributionen bieten beide Desktopumgebungen in ihren Repositorys.

Was bleibt also noch? Richtig, der “Erste Eindruck”. Die ersten Gedanken, die man hat wenn man etwas zum ersten mal sieht. Das was einem im ersten Moment durch den Kopf geht. Aus diesen Gründen läuft bei mir Momentan ein Fedora Core mit Gnome. Chices Blau, netter Wallpaper, hübscher Bootvorgang, tolle Icons und vieles Mehr was dem Auge Freude bereitet.

Vorher hatte ich ne lange Zeit Ubuntu auf all meinen Rechnern. Grund genug dem Ibex eine erneute Chance zu geben. Runterladen, brennen, booten, wie immer ganz fix. (Beta 1) Und dann der erste Eindruck, der erste Gedanke: Oh mein Gott!

Ich verstehe es nicht. werfen wir einmal einen Blick auf den aktuellen Desktop von Intrepid Ibex:

Schön ist in meinen Augen was anderes. Ich würde es eher als langweilig und trist bezeichnen. Abgesehen von der Tatsache, dass ich niemanden kenne, der den Standard-Desktop von Ubuntu so belässt. Mich mit eingeschlossen. Bei anderen Distributionen sieht es hingegen anders aus… Ich hab bei meinem Fedora sogar noch das original Hintergrundbild.

Es ist noch nicht mal besonders praktisch. Die Schrift ist zu riesig, unter den Icons sind riesige Bezeichnungen, die man eh nach dem dritten mal benutzen auswendig kennt und nur Platz wegnehmen.

Woran liegt das? Bin ich der einzige der das so sieht? Sitzen da wirklich ein paar Leute und schauen sich das an und sagen ernsthaft: “Jau, das sieht total gut aus, das nehmen wir! Das verkörpert Ubuntu, das macht Lust auf mehr, das ist es!” Kann doch nicht sein!

Es gibt so unglaublich viele gute Wallpaper zum Beispiel, man schaue nur mal auf interfacelift.com. Auf gnome-look.org gibt es auch reichlich Material, wovon vieles den Standard Ubuntu-Look in den Schatten stellt. Andere Distributionen schaffen es doch auch! Ok, Canonical sagt seit Feisty Fawn auch schon, das sie alles revolutionieren wollen, nen ganz neues Design. Wird aber jedesmal wieder auf aktuelle Version+1 verschoben. Abgesehen davon: Hat nicht Herr Shuttleworth vor kurzem was vom “Desktop der Zukunft” erzählt? Das man sich mehr bei Apple orientieren sollte? Wo ist das alles geblieben? Auf jeden Fall kan ich nichts davon in Intrepid Ibex entdecken.

Das ganze Debakel hat mich dann dazu verleitet, fast zwei ganze Tage lang am Desktop rumzuschrauben, knapp 70 Icons zu entwerfen, und so weiter… Dabei rausgekommen ist ein Desktop, der meiner, natürlich subjektiven, Meinung nach, um längen angenehmer und mehr sexy ist als das Ubuntu Standard-Design. Als Theme habe ich das neue Dust-Theme genommen. die Icons im Panel sind komplett selber entworfen. Das Icon-Theme ist ein gemisch aus meinen eigenen, Dropline NUO! und NewHuman. Das Wallpaper ist von interfacelift.com Panel ist wie hier beschrieben realisiert:

Klar ist er nicht perfekt. Viele finden das Dust-Theme zu dunkel. (Dafür wäre dann allerdings Dust-Sand da) Aber ich will im Endeffekt auch nur folgendes sagen: Wenn man ein bisschen Geld in die Hand nehmen würde, und das hat Canonical durchaus, müsste da mit einer Gruppe Designern, Interface Experten und Programmierern doch was so unglaublich Geiles bei rumkommen!

Ubuntu ist eine tolle Distribution, aber man braucht viel Zeit um sich heimisch zu fühlen. Zeit die man sinnvoller verwenden kann.

Ich hoffe ich habe jetzt niemanden zu sehr auf die Füße getreten, aber ich musste es einfach mal niederschreiben und mir ein bisschen Luft machen. Das ganze soll eher als positive Kritik im Sinne eines Verbesserungsvorschlages aufgefasst werden. Ich bin auch gerne bereit zu Helfen, nur wo?

So, nun ist es doch mehr als erwartet geworden. Ich wünsche einen schönen Sonntagabend und freue mich natürlich eure Meinungen zum Thema zu hören. Liege ich komplet falsch oder nicht? Wie seht ihr das?

05. Oktober 2008 von Jan
Kategorien: Linux, Planet | 17 Kommentare

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Kommentare (17)

  1. Schöner Artikel, hast die Situation gut zusammengefasst.

    Ich persönlich hoffe immer noch, dass es Dust(-Sand?) als Standard schafft bzw. Canonical die Community mit einem schönen Design in der Final überrascht. Wer dafür verantwortlich ist, dass die Schriftgröße immer noch so hoch eingestellt ist, würde mich auch mal interessieren … Hat jemand dazu einen Launchpad-Eintrag?

  2. Hi,

    also ich sehe zwar auch ein das Ubuntu etwas schlicht Aussicht. Aber wollen die User Überhaupt ein super durch gestyeltes Betriebssystem? Ich persönlich finde es schön schlicht und einfach am besten. Vielleicht will Ubuntu das auch gar nicht großartig verändern…und das Gnome überlassen?

    grüße

  3. Ja, stimmt. Ist für meinen Geschmack auch zu schlicht, hab aber keine Zeit mir sowas nettes zusammenzubasteln wie du da ^ :)

    Im mom läuft bei mir NewHuman (auf Hardy),mit ein bisshcen mehr Orange. Ist zwar auch nicht das allerschönste, aber was solls. Besser als das alte allemal.

  4. Ich mag es auch lieber schlicht. Aber dieses Orange und Braun in Verbindung mit diesem Hellgrau wirkt nicht unbedingt schlicht auf mich. Eher langweilig. Zwar folgt alles sehr sauber einem gemeinsamen Standard und die Qualität (gerade Icons und Wallpaper) ist durchaus hochwertig. Aber das reisst beim ersten Eindruck zumindest mich nicht vom Hocker. Es strahlt etwas sehr biederes aus.

    Ich für meinen Teil denke auch, dass die Benutzer tatsächlich ein durchgestyltes Betriebssystem wollen. Selbst Windows geht diesen Weg mit Vista. Und dunkle Themes oder halt dieses Piano bzw. Glossy Black scheinen bei der breiten Masse der Benutzer ja gut anzukommen. Ich sag das nur ungerne, aber nach Apple’s Mac-Design hat Microsoft mit dem Vista-Design mehr oder weniger einen neuen Standard für eher dunkle Themes gesetzt.

    Ubuntu kann sich nicht mehr vom Orange lösen, weil das praktisch ein Markenzeichen der Distro ist. Aber von diesem Hellgrau müssen die weg – unbedingt! Entweder ist es heutzutage edel oder in Farbe. Grau ist keines von beidem.

  5. Entschuldigung, ich habe im vorherigen Kommentar vergessen eines zu verdeutlichen. Mangelhaftes Design ist bei Linux Distros nicht alleinig ein Problem bei Ubuntu. Ganz im Gegenteil, Ubuntu kommt immerhin mit einem vollständigen und insich standarisieretem Design. Bei vielen anderen Distros sieht das weit weniger berauschend aus und nur wenige bieten tatsächlich einen Ausblick auf einen wirklich schön gestaltetem Desktop, den man als massgeblich bezeichnen kann.

    Von Ubuntu kann man nur einfach mehr erwarten :)

  6. Also mal abgesehen das es unnötig ist über Geschmack zu streiten finde ich das Human Theme ganz angenehm. Der neue Hintergrund von Intrepid gefällt mir allerdings auch nicht.

    Aber mal ehrlich, die einen finden es schlicht, die anderen finden es schon zu bunt. Deshalb finde ich solche Meinungsäußerungen überflüssig

  7. @Carsten Michels: schlicht und einfach und “durchgestyled” bzw. gut aussehend muss sich ja nicht ausschließen.

    @dauerflucher: Das es in sich konsistent ist, ist die eine Seite. Sicherlich, dass ist es. Aber wie du sagst: Es ist langweilig und Bieder.
    Es muss ja nicht unbedingt Schwarz, bzw. Glossy sein. Orange ist ja keine schlechte Farbe, und ich bin auch der Meinung, dass sie es, alleine wegen des Wiedererkennungswertes, beibehalten sollten. Aber auch mit Orange lassen sich gute Design erstellen denke ich.

    Ich habe das Dust Theme und den Wallpaper nur genommen, um mal Möglichkeiten aufzuzeigen wie es aussehen könnte. Einfach mal weg vom biederen Standard.

    @burli: Klar, über Geschmak zu streiten oder gar zu entscheiden ist keine einfache Sache bis hin zu unmöglich. Aber aufgrund der Tatsache, dass andere Distris das etwas besser machen, in der Ubuntu Community viel darüber diksutiert/gemeckert/beschwert/etc. wird und nicht zuletzt weil es mich einfach selber beschäftigt wollte ich darüber schreiben. Und da ein Blog meist eh objektiv ist, finde ich sind an dieser Stelle Meinungsäuserungen eben nicht überflüssig. Und du hast ja auch was kommentiert ;)

  8. Subjektiv, Jan… Ein Blog ist meist subjektiv :)

  9. njarg.. wie recht du hast :)

  10. @Jan: Ich finde das Grundproblem ist nicht das Standard Theme. Eine größere Auswahl vorinstallierter Themes wäre sinnvoller als darüber zu diskutieren welches man Standardmäßig aktiviert. Vielleicht wäre das der sinnvollere Weg.

  11. burli, es geht aber nicht darum wie es aussehen _könnte_. Aussehen kann Ubuntu – wie jede andere Distro auch – nämlich sonst wie. Das eigentliche Thema hier ist der erste Eindruck. Und der wir meistens schon durch die Screenshots auf der Entwicklerseite erzeugt. Die Entwicklerseite wiederum stellt die primäre Werbefläche einer Distro dar. Werbung auf einer solchen Werbefläche wiederum soll eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und dabei bestimmte Gefühle auslösen. So, und da mir diese Diskussion so gut gefällt und ich mir noch mehr Gedanken darüber gemacht habe, _widerspreche_ ich mir einfach nochmal selbst.

    Ubuntu präsentiert sich nämlich erfolgreich schlicht und bieder und vor allem seriös als Business Solution. Welche Stadtverwaltung möchte schon ein fancy Theme für ihre Beamten? Ich als kleiner, privater Computerenthusiast sehe das zwar anders, aber ich bin – nach meiner Auffassung – gar nicht die eigentliche Zielgruppe. Ubuntu will darüber hinausgehen und grossflächig eingesetzt werden. Da wirkt – um das Beispiel nochmal aufzugreifen – Vista nämlich auf den ersten Blick wiederum wesentlich unseriöser.

    Insofern kann ich burli zustimmen, dass Ubuntu einfach mehr vorinstallierte, _eigene_ Themes anbieten sollte. Die dann verschiedene Zielgruppen ansprechen können.

  12. Wobei bei dann das Problem auftritt, dass sie nicht nur ein gutes Theme brauchen (was auch immer nun “gut” bedeuten mag), sondern gleich mehrere. Da sie ja aber noch nicht mal eins hinbekommen, (was nach _meinen_ Ansprüchen ein “gut” verdient) klingt die Lösung “mehrere Themes” nicht gerade besser. Zwar an sich optimaler, aber nunja…

  13. Wenn das das einzige wäre, was mich an Ubuntu stört, dann wäre ich ja schon total zufrieden. Für mich könnte alles etwas schlichter sein, aber dafür gibt es ja auch gute Alternativen zu gnome.

    Prinzipiell muss ich aber eins sagen:
    Nach dem ich seit einiger Zeit ziemlich gentoo verwöhnt bin, habe ich mal probeweise zu ubuntu gewechselt, weil ich schnell eine neue Linux-Installation brauchte und grade keine Zeit für 1 Tag Dauercompilieren habe.

    Prinzipiell fehlt es Ubuntu an “Skalierbarkeit” für “erfahrene Anwender”. Und genau deshalb hat man die ganze Arbeit mit der Einrichtung. Das mag dem einen bei den Skins auffallen, mir ist es vor allem bei der Akkulaufzeit aufgefallen, die sich nach einem wechsel von Gentoo auf Ubuntu von 3-4 Stunden auf 1:30 verringert hat, weil ständig irgendwelche Dienste, die man überhaupt nicht braucht, auf der Festplatte rum rattern und der laptop-mode nicht mal ansatzweise korrekt arbeiten kann. Für die Konfiguration werden sicherlich auch ein paar Tage drauf gehen. Also hätte ich auch gleich bei Gentoo bleiben können…

    Wobei natürlich der Spagat zwischen Usability und Scalability relativ schwierig ist. Ich will also nicht sagen, dass Ubuntu an sich schlecht sei, nur hakt es einfach genau dann, wenn man das System seinem Nutzungsverhalten entsprechend anpassen will. Dafür läuft es eben Out-Of-The-Box. Dauerhaft werde ich wohl nicht bei Ubuntu bleiben, aber bis Weihnachten muss es wohl reichen…

    Mal davon abgesehen:
    Es geht doch nix über ein schlichtes Xfce aber eine Xubuntu-CD hatte ich grad nicht da ;)

    Just my two cent

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